Grenzgänger
Ein Pfarrer zwischen Knast und Freiheit

Die Gefängnismauer ist eine strengbewachte Grenze. Sie scheidet das Drinnen vom Draußen, ist fast unüberwindbar für die, die dahinter eingesperrt sind, aber auch für jene, die zu unfreiwilligen Grenzgängern werden: Verwandte, Freunde und Bekannte.
Viele Gefängnisinsassen leiden unter der "Entwürdigung" durch die
Gefängnisstruktur. Für diese Gefangenen steht fest: Der Zweck des
Strafvollzuges ist das "Leiden der Gefangenen" - und da werden
Kirchenvertreter oft zum einzigen Lichtblick, denn sie sind an das
Beichtgeheimnis gebunden.
Pastor Matthias Blomeier, protestantischer Gefängnispfarrer in der
Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Brackwede bis zum 1. Dezember 1992 ist ein
Grenzgänger, ein Pendler zwischen den Welten mit Schlüsselgewalt. Er sagt
über sich: "Ich selbst sehe mich als einen Pastoren, der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht und der weder pfarrherrlich zu residieren, noch intelektuell über die Köpfe hinweg zu predigen gedenkt."

"Das Porträt bildete einen Alltag ab, der dem unkonventionellen Seelsorger vieles, wenn nicht gar alles abverlangte.
Die düstere Enge des Eingesperrtseins, die Ängste, Nöte und die
Ausweglosigkeit des Daseins der 'Knackis' erreichten den Zuschauer in
drastischer Weise. Auch die innere Zerrissenheit Blomeiers wurde überaus
deutlich." (Neue Westfälische, 7.1.1993)