Freiheit in die Welt
Warum sie Blumen auf dem Tisch stehen habe, wenn sie die sowieso nicht sehen könne, wurde Frau Kaivers einmal gefragt - diese Frage wird im Film nicht gestellt, aber beantwortet - und viele andere auch. Wer nicht nur wissen möchte, wie blinde Menschen die Erbsen auf ihrem Teller finden, sondern wie sie an den Urlaubsort kommen, die Tür zum eigenen Schlafwagenabteil erkennen, den Strand finden, Postkarten schreiben oder shopping gehen, der sollte mit diesem Film Frau Kaivers und ihren Mann auf eine Urlaubsreise nach Italien begleiten.

Die Protagonisten , beide in Kinder- bzw Jugendjahren erblindet, sind zwei lebensfrohe und humorvolle Menschen, die kennenzulernen Spaß macht. Friederike Kaivers ist Rehabilitationslehrerin für Blinde und Sehgeschädigte, Joachim Steinbrück Richter am Arbeitsgericht.

Während die Kamera den Eheleuten auf eine Italienreise folgt, erzählen sie von ihrem Alltag und ihren Befindlichkeiten. Der Zuschauer lernt zwei blinde Menschen kennen, „in deren Welt es keineswegs dunkel ist“ und erfährt beiläufig viele Einzelheiten aus einer Welt, die weit über das Ende des Blindenstocks hinausgeht.

Interviewpassagen sind zu kleinen Erzählsträngen gebündelt und im off unter Urlaubsbilder gelegt. Am Anfang des Films sind die Texte dichter, um den Zuschauer sensibel für spezifische Probleme zu machen, so daß er gezeigte Lösungen ohne Kommentar als solche erkennen kann. Im weiteren Verlauf nehmen die Texte ab und die Urlaubsstimmung zu, ohne daß die Szenen an Informationskraft verlieren.

Wenn Joachim Steinbrück erzählt, daß es für ihn auf einer Portugalreise ohne Sprachkenntnisse keine Verständigungsmöglichkeit mehr gab, während seine sehenden Freunde auf den Käse den sie kaufen wollten immer noch zeigen konnten, oder Friederike Kaivers sich erinnert, wie sie einst mit ihren Eltern akustische Markierungen entworfen hat, damit sie den Rückweg vom Strand alleine finden konnte, sind damit Schwierigkeiten markiert, deren Lösung der Zuschauer mit Spannung im Auge behalten kann, während er nach Italien mitgenommen wird.

Als blinde Rehabilitationslehrerin war Friederike Kaivers die Vorlage für die Protagonistin in Lars Büchels Film „Erbsen auf halb 6“. Deshalb lud JohannesB. Kerner sie am 3.März 2004 in seine Show ein, zusammen mit Fritzi Haberland, der Hauptdarstellerin des Spielfilmes.